Super-Lentis über San Martin?


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Ist ja zwar nichts Neues, überrascht trotzdem immer wieder.

Nun waren wir schon zwei Wochen hier, von den Super-Lentis über San Martin hatten wir aber noch keine gesehen. Kein Verlass auf die vielzitierte Westwinddrift!

Umso mehr Verlass auf unseren Flieger. Die ersten 100 Stunden hat die S10 ohne den keinsten hickup abgeflogen. Plug and play sozusagen, Schlüssel rein, drehen und starten - die übliche Routine. Sobald sich dann der erste Sitzdruck aufbaut auf "Leise" stellen und segelfliegen - so war´s gedacht und so funktioniert´s!

Auch heute, Sonntag, wird geflogen; Michael und Klaus waren unterwegs, um auf den Spuren der Thermik, diesmal östlich der Kordillere, neue Landeplätze Richtung Süden zu erkunden. Für den Rest der Crew sah es mehr nach einem lazy sunday aus. Rene´und Wolf-Dietrich wollten die ersten wissenschaftlichen Flüge vorbereiten. Da wir uns inzwischen ein recht gutes Bild von den Routen bis Esquel gemacht hatten und der Ansturm auf grosse Rekordversuche bei kleinem Wetter erstmal abgearbeitet war, drängte sich die Forschung mehr in den Vordergrund. Der Begriff fliegendes Labor wurde neu definiert, nachdem sich especialista tecnico Michael ein zweites Mal mit Lötkolben und leatherman über die Messinstallationen hergemacht hatte. Wir warteten nun auf den bis jetzt ziemlich zuverlässigen Wirbel des Hausrotors für die nächste Datenaufnahme, aber schon beim Frühstück am Montag rieten die ersten, hohen Cumulusfetzen zum Umschalten auf Plan B: ein spektakulärer Thermiktag begann sich über der Pampa zu entwickeln. Trotz Martins Überredungsversuchen wollte Klaus sich nicht von den Übungen im Relief abbringen lassen und anstatt einen lockeren Tausender unter traumhaften Wolkenstrassen runterzugaloppieren, kämpften die beiden mit zerrissener Schwachthermik und kurzlebigen Zufallswellchen.

Die Bodenmannschaft nutzte den Nachmittag zu einer Ausfahrt Richtung Chile. Nur die spektakuläre Landschaft und phantastische Views auf den Vulkan Lanin konnten die Jungs vom Mega-Thermik-Himmel ablenken. Als sie kurz vor sunset die Piloten am Flugplatz abholen wollten, war von der Stemme weit und breit nichts zu sehen und zu hören. Auch ss + 30 min verstrich ohne Funkkontakt. Man beschloss das Basecamp in der Hosteria aufzusuchen und in Ruhe zu beraten. Dort wartete dann schon Claudia mit den News: die Stemme war bei ss in Bariloche, 120km südlich, auf dem Flugplatz San Carlos eingefallen. Ein verhaltenes Aufatmen ging durch die Runde. Später erfuhren wir, dass schwacher Wind - also weder Welle noch Hangdynamik - und rasch abbauende Minithermik einen rechtzeitigen Anflug auf Chapelco verhindert hatten und Klaus mit Martin in Bariloche übernachten und bei Öffnung des Fluplatzes um 7:00 am nächsten Morgen die S10 rüberfliegen wollten. Naja, begeistert war die Truppe nicht. Für Dienstag bestand doch eine gewisse Hoffnung auf einen präfrontalen Wellentag, aber unter diesen Umständen war an einen auch nur einigermassen organisierten Frühstart nicht zu denken.

Das Wetter brachte aber auch diesmal wieder alles ins Lot. Die Front kam schneller als vorhergesagt, die ersten blauen Lücken danach zeigten sich erst am frühen Nachmittag. Als dann noch der Wind auffrischte war klar, dass wir den klassischen Kaltluftfrontfrontdurchgang nutzen wollten, um in den rasch wechselnden Wellensystemen einen zweiten Datenfile zu schreiben. Unser Cheftechniker kam wieder zum Einsatz: Michael sollte vorsichtshalber die Bendix-O2 Anlagen auf ihren ersten Höheneinsatz vorbereiten.

Wolf-Dietrich und Rene´starteten kurz vor 17 Uhr mit zwei vollen Pullen Sauerstoff um sich die lenti-ähnlichen Strukturen aus der Nähe anzuschauen. Schübe von feuchter Luft und der mit der Höhe abnehmende Wind setzten der Höhenforschung allerdings schon in viereinhalb Tausend Metern ein Ende. (wdrh2311.jpg+wdrh23a.jpg+wdrh23b.jpg)

Auch gut, um 8:00 warteten nämlich schon die Bllitzers, die das gesamte Team zu einem Parilla-Abend auf ihre Fishing Lodge nahe bei Junin eingeladen hatte. Wir verbrachten einen weiteren Abend bei herzlichster argentinischer Gastfreundschaft und heissen Tango Rhythmen.

Eine meteorologische Überraschung brachte der nächste Morgen: wir erlebten eine für die Gegend eher seltene Staulage mit südöstlichen Winden, die am Nachmittag sogar zu kräftigen Überentwicklungen und Schauern führte. "Each cloud has a silver lining" und für uns kam dieser Silberschimmer in Form eines traumhaften Regenbogens. Wir schoben die Stemme, nachdem Martin und Rene´ gelandet waren, in den Mittelpunkt des Spektakels und dann klickten die Kameras. Patschnass kamen wir in die Hosteria zurück und bestellten eine Runde Bier, bevor wir uns gespannt um den Laptop drängten um die Ausbeute unserer spontanen Fotosession zu begutachten.(rainbw1.jpg+rainbw2.jpg)