Bericht vom 26.11.1999

 

Pilot: Klaus Ohlmann, Martin Just
Flugzeug: Stemme S 10 VT, D-KMTE

Start: 10:10 Uhr local
Wendepunkt: free out and return
Landung: 19:50Uhr local

Streckenlänge: 1040km
Flugzeit: 9:40 h

Flugwegdarstellung

Pilotenbericht

Am nächsten Morgen soll es auch in San Martin blasen, aber Michael muß zum Bus, Martin und ich müssen noch Papierkram für die Ausfuhr der Stemme erledigen, so kommen wir nicht vor 10:00 in die Luft. Ein freier Ziel-Rück nach Süden steht auf dem Programm. Der übliche Rotor am Platzrand hievt uns gemächlich auf 2700m, est um 10:40 erfolgt der Abflug. Wir folgen einer schwach markierten Rotorlinie, der Chapelco gibt auch nur 3000m her. Dennoch, ohne Höhenverlust gleiten wir fast 100 km gen Süden. Trotz der gut aussehenden Optik entscheide ich mich für einen Knick nach Westen in Richtung Manzanagebirge, um nicht im Anflugsektor Bariloches basteln zu müssen. Nach einigem Mühen finden wir endlich eine halbwegs passable Welle. Mit 3500m überqueren wir den Airport, im Lee der Sierra de la Ventana gehts laminar auf 4000. Etwas weiter südöstlich lockt uns eine ausgeprägte Lenti, die wie am Vortag ewig weit nach Süden zu reichen scheint. Auf Anhieb geht es vor den relativ niedrigen Rotorbänder mit recht ordentlichem Steigen aufwärts. Ohne Kreis fliegen wir 150 km geradeaus mit Geschwindigkeiten bis zu 250 km/h,bis wir im Lee des Cordon de Esquel erneut auf 4500m klettern. Eigenartigerweise knickt die Riesenlenti um 45 Grad völlig unmotiviert nach Osten ab. Auf Kurs markieren aber deutlich ausgeprägte Rotorlinien die Aufwinde und wir können lange Abschnitte geradeaus gleiten. Weite braunbeige Halbwüsten wechseln sich mit grünen Flusstälern ab, vereinzelt sind Farmgebäude auszumachen, Lebenszeichen in der unendlichen Weite Patagoniens. Für uns noch wichtiger sind die Landestreifen in dem ansonsten nahezu unlandbarem Gelände. Zwischen 50 und 100 km liegen sie auseinander, sind aber sehr gut auszumachen und sehen ausnahmslos gut aus. Corcovado, ein großer Platz mit Asphaltpiste, Tecka Southwest, ein wunderschöner Platz, der mit seinen weißen Landereitern einen sehr gepflegten Eindruck macht, können wir auf unserem Erkundungsflug einnorden. In einem großen Sprung setzen wir über den Lago General Winter, einen Riesensee. Als einziges Zeichen menschlicher Besiedlung finden wir den Vermerk Police Post auf unserer Karte. Südlich des 44.en Breitengrads wird die Karte weiß, der Aufdruck "Relief Data Unreliable" mahnt zur Vorsicht. In einem breiten ,mit leuchtend grünen Seen ausgestatteten Flußtal, erkennen wir zu unserer Freude den Flugplatz Rio Pico. In nur 2700 m nehmen wir gerne den darüberstehenden Rotor mit Lentikappe mit. Die Windanzeige steht auf 260 Grad mit knapp 100 km/h. Ich bin erstaunt, in dieser relativ niedrigen Höhe so problemlos voranzukommen. Unsere Phantasien über die sicherlich vorhandenen Töchter in den Farmen unter uns bleiben Illusionen. Der Lift genau über dem Flugplatz steigt mit über 3 m auf 4000m und...weiter geht´s in Richtung Chile. Der Grenzverlauf macht hier eine Nase nach Argentinien. Regelmäßige Rotoren, hie und da eine kleine Lentikappe, weisen uns den Weg. Der Blick nach Osten zeigt eine flach gewellte, recht unwirtliche Landschaft, die jedoch mit ihren warmen Rottönen eine willkommene Abwechslung zum eher eintönigen Graubraun der Pampa darstellt.

Über dem in Chile gelegenen Flugplatz Villa Tapera haben wir 500 km auf dem Zähler. Es ist jetzt kurz vor 16:00 und allmählich Zeit umzukehren. Ich kann es mir jedoch nicht verkneifen, wenigstens noch 20 km weiter nach Süden zu gleiten, um meinen persönlichen Rekord auf südamerikanischem Boden um einige km zu erhöhen . Im Angesicht des blau heraufleuchtenden Lago Pontana, nun wieder auf argentinischem Terrain, geht unsere Stemme auf Nordkurs.

Auf Kurs sieht es jetzt noch besser aus als beim Anflug. Grellweisse Wolkenmützen am stahlblauen Himmel, unter uns windgepeitschte Seen, aus den dichteren Wolkenfelder westlich von uns späht immer wieder das Haupt eines der Bergriesen der Cordillere hervor. Wir pirschen uns dichter am Hauptkamm in regelmäßigen Steigfeldern in Richtung Heimat. Der Flugplatz Corcovado verschwindet unter der rechten Fläche, voraus kann ich schon Esquel erkennen. Allmählich gewinnt das Gesicht der Landschaft für mich an Details, die zahlreichen Erkundungsflüge beginnen sich auszuzahlen. Über der Ortschaft Trevelin steht eine prächtige, hochaufgetürmte Lenti, die uns mit über 6 m/s empfängt. Wegen der guten Optik nach Norden verlasse ich unsinnigerweise den tollen Lift und ergebe mich dem Geschwindigkeitsrausch der Groundspeedanzeige meines GPS. Nur noch selten unter 200 km/h jage ich am Cordon de Esquel in das Tal von El Maiten. Südlich vom Flugplatz finde ich mich in 2400m wieder und bitte die Rotorwolke um Vergebung für mein Ungestüm. Glücklicherweise hebt sie mich rasch wieder in die laminare Strömung, so daß kein allzu großer Zeitverlust entsteht. Trotz dieser Warnung treibt mich die Unrast ,wie schon so oft......Kurz vor dem Ort von El Maiten verlasse ich , wieder auf 5000 m gestiegen, auch hier vorzeitig das noch gute Steigen, um dem Trugbild einer weit gefächerten Lenti im Lee der Sierra de la Ventana auf den Leim zu gehen. Ich verschmähe 1- 2 m und finde mich nach der Querung des Bariloche-Beckens in nur 2400m im Lee der Manzanas wieder. Nur noch 100 km nach San Martin, aber reichlich Berge im Weg und mindestens 60 km/h Wind aus West. Dies ist gleichzeitig meine Chance. An bewährter Stelle hilft mir der Rotor wieder in die glatte Strömung der Manzanawelle. In knapp 3700m verlasse ich den eher mäßigen Aufwind und gleite vorsichtig über das Tal von Primavera, dem" Frühlingstal," in die Rotorlinien westlich des Chapelco hinein. Auch hier ist mir Erfolg beschieden, und ohne weiteren Aufenthalt ziehen wir im Hangaufwind der westlichen Ausläufer des Platzberges in das Tal von San Martin. Nach 10 Std. Flugzeit melden wir uns im "Inicial" und landen in die schrägstehende Sonne auf der breiten Asphaltpist von Chapelco, den zweiten 1000er von Südamerika in der Tasche.