Bericht von 16.11.1999  

Pilot: Martin Just, René Heise
Flugzeug: Stemme S 10 VT, D-KMTE

Start:
16.45 Uhr local
Wendepunkt: Volcano Lanin
Landung: 20.45 Uhr (local)

Streckenlänge:
etwa 200 km
Flugzeit: 04.00 h

Bilder

Flugwegdarstellung

Pilotenbericht

Es war ein klassischer Thermiktag - hochreichende faszinierende Cumulusoptik mit einer Basis um die 2600 m bis 2800 m - vorherrschend primär in der Pampa (östl. des Flugplatzes). Im westl. Andengebirge dagegen fast blau, mit unstrukturierten vereinzelten Cumulus fractus.

Als die argentinischen Fliegerfreunde und deutschen Piloten aus der Gruppe von Diether Memmert am späten Nachmittag aus Bariloche ihren Endanflug auf Chapelco anmeldeten, bereiteten wir die Stemme S 10 VT für unsere letzte Tagesmission vor.

Schnell noch ein kleines (jedoch unvollständiges) MWP-Gruppenbild 

 (bisher war leider keins im Kasten) geschossen und die Fliegerkombi übergestreift und siehe da - schon erzeugten wir ein wenig Unruhe...!

René wurde von den einheimischen Piloten ein wenig belächelt, als er seine "MIG-21 arctic combi" - überstreifte - lag die Lufttemperatur bei warmen 23°C und an eine Leewelle war wohl bei den beobachteten schwachen Windgeschwindigkeiten nicht zu denken.

Mit vollem Optimismus bestieg das Team Just/Heise das Flugzeug - prüfte das Messequipment und die Sauerstoffanlage. Gegen 17.00 Uhr ging es dann endlich airborne in Richtung Vulkan Lanin. Im Nordwesten des Flugplatzes blubberte die Thermik nur schwach mit 1 m/s aufwärts. Ungeduldig schielten wir ins Hochgebirge -aufbauend auf unsere Südfrankreich-Erfahrung wollten wir uns im low-level Bereich in Richtung Lanin vorkämpfen (Bilder: lanin2.jpg, Lanin3.jpg) Grüne feuchte Täler, der ungewohnte Einfallswinkel der Sonne, schwache Thermik und geringe Windgeschwindigkeiten ließen uns fast verzweifeln.

Jede anvisierte Bergflanke wurde ausgiebig besprochen und trotzdem ernteten wir nur magere 1-2 m/s. Da wir uns über dem Lago Huechulafquen kaum noch auf dem Gleitpfad unseres Flugplatzes befanden, mußten wir uns entscheiden- als back up Variante den Motor warm laufen lassen und weiter tief im Relief vortasten oder nach Chapelco zurückzufliegen, um den Abend bei "lomo y cerveza"ausklingen zu lassen.

Nein - bei den Flügen mit Klaus hatten wir viel gelernt und seine ansteckende Begeisterung für die mountain waves motivierte uns relativ unerfahrende crew, dieses Wechselspiel der komplexen Luftströmungen im Gebirge in einen für uns tollen Wellenflug umzusetzen.

Also weiter in Richtung Vulkan! Unser Endanflugrechner signalisierte uns einen stark auffrischenden NW-Wind. Hatten wir anfangs 20-30 km/h, so wurden jetzt 50-60 km/h angezeigt. Auf Grundlage dieser Erkenntnis konnten wir den Motor endlich ganz ausschalten, um am Fuße des 3776 m hohen Lanin im Hangflug unser Ziel zu umfliegen (Bild: Lanin4.jpg)

Lanin bedeuted in der Sprache der Mapuche - ausgelöscht - und der Kegel, der das Ebenmaß des Fudschijama nachzuzeichnen scheint wir als schönster Berg Argentiniens bezeichnet.

Nach der Umrundung stiegen wir gleich in den turbulenten Rotor (4-6 m/s) ein und dank Martin, der natürlich die STEMME als Werkspilot hervorragend beherrscht, klappte der Einstieg in die Welle problemlos. Mit 6-8 m/s ging es dann aufwärts bis fast auf 6.000 m! (Bild: Lanin5.jpg) Unser nächstes Ziel war der der noch rauchende aktive Vulkan Quetrupillan (2360 m), aber schon auf dem Weg dorthin, signalisierte uns das LX-5000, daß sich der Wind abschwächt und somit unsere eben erlebte Leewelle durch eine günstig lokale kanalisierte Luftströmung induziert wurde.

Im Angesicht der araukanischen Abendsonne  (Bilder: Lanin6.jpg, Lanin7.jpg) schwebten wir zu unserem Heimatflugplatz Chapelco am Rande der Stadt San Martin und erinnerten uns an die Sage des Vulkans die besagt:

"... eine grimmige, gleichwohl naturbeschützende Gottheit Pillan ließ, unzufrieden mit dem Treiben der Menschen den Vulkan Feuer und Lava spuken.

Das Orakel des Mapuche - Schamanen lautete -

... nur das Opfern eines liebreizenden Mädchens im Lande könne den entzürnten Pillán versöhnen!

Die Wahl fiel auf die Kazikentochter Huilefún. Ein Kondor trug die Prinzessin hoch in die Lüfte, ließ sie in den Krater fallen und augenblicklich gebot Pillán dem Vulkan, ruhig zu werden."