Pilotenbericht von Klaus Ohlmann
26.11.2000 


Der Start erfolgt in San Martin de los Andes etwas verspätet um 6:30. Geplant ist ein Weltrekordversuch über 1700 km nach Süden. Die Aufwindbedingungen  erweisen sich als extrem gut. Etwa 500 km südlich verschlechtert sich das Wetter jedoch erheblich.Die ursprüngliche Aufgabe wird aufgegeben zugunsten eines freien Fluges um bis zu 3 Wendepunkte. Der amtierende Weltrekord in dieser Kategorie liegt bei 2045 km, geflogen von Terry Delore in Neuseeland. Um 13:15 sind wir wieder zurück in San Martin und haben bereits 1050 km geflogen. Die Wetteroptik nach Norden ist etwas diffus mit relativ starker Bewölkung durch die hereinkommende Kaltfront. Ein leewärtiges Ausweichen scheint jedoch möglich. Nach langem Gleitflug erwischen wir direkt über Zapala knapp unterhalb einer Rotorlinie wieder Steigen, das Sprungbrett in die Wellensysteme von Loncopue zur Cordillere del Viento. Von dort aus geht es weiter im Lee des Hauptkamms über das Barrancastal  und den Rio Grande immer über 5000m Um 16:00 wenden wir uns wieder nach Süden,wenn wir jetzt nach Hause kommen haben wir mit 2100 km einen Weltrekord in der Tasche. 120 km vor San Martin entscheiden wir jedoch, die hervorragenden Bedingungen im Norden nochmal zu nutzen, anstatt in das immer schlechtere Wetter Richtung Heimat zu fliegen. Eine weise Entscheidung, eine brasilianische DG 500 braucht geradezu ewig für die letzten 70  km nach San Martin. Wir düsen kaum jemals unter 250 km/h wieder nach Norden. Ganz spannend wurde es noch im Finish, eine schwierige Entscheidung war zu fällen. Möglichst weit in den Norden einen Endpunkt zu setzen und dann zurück nach Chos Malal , also jede Menge Kilometer zu verschenken oder mit Maximalspeed nach Malargue Airport, der für diese Tageszeit einzigen Landemöglichkeit im Norden mit dem Risiko eine Minute zu spät zu landen, für einen Weltrekord muß die Landezeit legal sein, in Argentinien heißt das sunset +20 Minuten. Um 20:10, mit sunset um 20:34, noch 180 km zu fliegen,das ganze in 44 Minuten, bestimmt keine leichte Entscheidung. Unsere groundspeed von ca 300 km/h überzeugt mich in Kursrichtung weiterzufliegen. Zwei Minuten  vor "last light" schwebt unser Zaubervogel nach 14 Stunden und zwanzig Minuten im eiskalten Andensturm auf der Asphaltpiste von Malargue aus. 

Klaus Ohlmann
 

Nach der eingegangenen FAI-Anmeldung konnten wir endlich die Korken knallen lassen...