Tagesberichte vom 12. bis 15.11.99

time flies when you´re having fun"

Die Zeit rast. Auch wenn der Tag 20 Stunden hat, die Nacht schon nach 4 kurzen Stunden durch das Eintreffen der neuesten Windprognose beendet wird, bleibt selten Zeit um den letzten Tages-Update in den Laptop zu hacken. Selbst wenn mal kein Flugwetter ist - was sogar im Lee der Anden vorkommt - hält uns unser Programm konstant auf Trab. Am Freitag schicken wir die S10 auf den ersten Erkundungsflug Richtung Süden los. Um 5 Uhr 30 ist reveille, viertel nach acht kommen die Jungs endlich in die Luft: wir müssen offensichtlich noch an unserer Organisation arbeiten. (Weiteres siehe Flugbericht).

Einen Tag später klappt es schon ein bisschen besser, vor allem weil der Frühstart um 2 ½ Stunden verschoben wurde. Diesmal sind Klaus und Martin an der Reihe. Um 12 Uhr verabschieden sie sich per Funk aus der Flugplatznähe und die support crew kann zur Erledigung der notwendigsten logistischen Aufgaben nach downtown San Martin abzischen.

Auch heute wird nichts aus einem grossen Flug, der Wind ist entweder zu schwach oder er kommt zu weit aus Sektor Nord. Trotzdem finden die beiden Wellen und erkunden neue Abflugrouten und Aussenlandemöglichkeiten. In diesem weiten, wilden und kaum besiedelten Gebiet müssen wir neben den wenigen offiziellen Fluggeländen auch die Lage der Landefelder auf einigen Estanzias und als letzte Möglichkeit auch geeignete Strassenstücke in unsere Datenbank aufnehmen. Einer dieser "Feld- (Strassen-)Flugplätze" war das Ziel einer Nachmittagsexkursion der Bodenmannschaft. Die wunderschöne Lage über dem Lago Lacar würde die S10 crew nur nach einem trickreichen Anflug und dem Kunststück, den Flieger auf 500m gerader, aber nicht gerade ebener, Strasse zum Stehen zu bringen, geniessen können.

Am Sonntag zeigt sich das Wetter kooperativ - zwar nicht zum Fliegen, aber zum Basteln. Mit Carsten sind nun auch alle Messinstrumente eingetroffen. Da kommt uns das kühle und windige Wetter gerade recht. Wir machen uns über Kabelgestrüpp und Sensoren her und versuchen alles mit einer Riesenrolle Klebeband so zu arrangieren, dass wenigstens Anlasser und Steuerknüppel noch frei zugänglich sind.

Der auffrischende Wind hat dicke Wolken über San Martin zusammengeschoben, in 20km Entfernung, hier draussen am Flugplatz, jedoch eine höchst willkommene Föhnlücke freigeblasen, die sofort wieder Lust auf Wellenflüge macht. Martin und Carsten zwängen sich zwischen GPS, Datenrecorder und Kabelstränge und absolvieren 2 Testflüge. Danach versuchen Rene´ und Wolf-Dietrich die Wellen über den tiefen Rotorbändern zu finden und zu vermessen. Kurz vor sunset wird zusammengepackt.

Der Montagmorgen gibt nur mal kurz Zeit zum Verschnaufen - es schüttet. Wir vergewissern uns, dass das Messsystem gearbeitet und Daten aufgenommen hat und schmieden Verbesserungspläne, unseren Rekord-heissen Streckenpiloten lassen wir erst mal schlafen. Als wir nach ein paar Tassen Mate-Tee und kurzem Kampf mit der Elektronik gegen 4 mal wieder kurz zum Himmel blicken hat sich der Wind wieder durchgesetzt: die Rotoren drehen und darüber sieht man die glatte Oberkante der tiefen Wellenwolken.

Das hat auch das Fliegergen in Klaus aktiviert. Noch bevor wir die Stemme in die Luft kriegen hat er sich schon in den hinteren Sitz der DG-500M unserer brasilianischen Fliegerfreunde gemogelt und meldet sich nun in 3000m aus der Chapelco-Welle.

Wir machen noch einen Testflug und dann nutzen W-D und Renè das verbleibende Tageslicht, treiben sich in dem komplexen Wellensystem über dem Flugplatz herum und geniessen das von der untergehenden Sonne inszenierte Licht- und Schattenspiel mit den Wolken. (siehe Bilder)